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DIVI 3 / 2018, Seite 90, Wissenschaft

Andreas Fichtner1, René Hemmerling2, Axel R. Heller3

Zentralvenöse Katheterisierung*

Central venous catheterization*

Zusammenfassung: Die zentralvenöse Katheterisierung ist ein Standardverfahren mit schwerwiegendem Komplikationspotenzial. Ein Erlernen dieser Technik am Patienten ist aus ethischen Gründen heute nicht mehr zu rechtfertigen. Training am Modell ist daher eine bekannte, jedoch nicht flächendeckend angewandte Alternative. Welchen objektivierbaren Effekt hat ein solches Training? Reicht ein einmaliges, nicht ärztlich angeleitetes, standardisiertes Training am Thoraxmodell aus, um die praktische Kompetenz ärztlicher Berufsanfänger bezüglich ZVK-Anlage auf ein gesellschaftlich akzeptiertes Patientenversorgungsniveau zu bringen?
Methodik: Die Definition des akzeptierten Versorgungsniveaus erfolgte mittels objektiver Erfassung standardisierter binärer praktischer Testkriterien einer ZVK-Anlage am Modell durch Assistenzärzte im 1.–3. Weiterbildungsjahr Anästhesiologie, welche ZVK-Anlagen selbstständig am Patienten durchführen. 31 Items erfassten technische, hygienische und Patientensicherheitskriterien. Als Interventionsgruppe dienten Studierende des 5. Studienjahres ohne jegliche Vorerfahrung, die ein einmaliges standardisiertes studentisch angeleitetes 50-minütiges Training durchliefen. Selbsteinschätzungen der Gruppen sowie des Trainings und des Simulators wurden ebenfalls erfasst und verglichen. Nach 6 Monaten fand in der Interventionsgruppe ein Wiederholungstest statt, um die Kompetenzretention zu messen.
Ergebnisse: Die getesteten 23 Assistenzärzte zeigten ein von ihrer Vorerfahrung unabhängiges homogenes Kompetenzniveau von 84,9 ± 8,1 % der Gesamtpunktzahl, während die 32 Studierenden nach dem Training 81,3 ± 8,6 % erreichten (n.s.). Nach einem übungsfreien Intervall von 6 Monaten zeigte sich bei den Studierenden noch eine Kompetenzretention von 69,6 ± 10,1 % (s.). Wurde die praktische Fertigkeit zwischenzeitlich einmalig durch unangeleitetes Üben am Modell aufgefrischt, so erreichten die Studierenden nach 6 Monaten Testergebnisse von 84,5 ± 9,8 % (n.s.). Die Subgruppenanalysen hinsichtlich technischer Durchführung, Hygiene und sterilem Arbeiten sowie Patientensicherheit zeigten ähnliche Ergebnisse und insgesamt keinen relevanten Unterschied zur Referenzgruppe der Ärzte. Die Selbsteinschätzung der Teilnehmer zu theoretischen Kenntnissen und praktischen Fertigkeiten der zentralvenösen Katheterisierung korrelierte bei den Studierenden am wenigsten mit der objektiven Messung der Kompetenzniveaus.
Fazit: Ein einmaliges, standardisiertes, nicht ärztlich angeleitetes Training am Modell ist geeignet, fortgeschrittenen Studierenden der Medizin die Seldingertechnik und zentralvenöse Katheterisierung so weit zu vermitteln, dass sie das mit objektiven Testkriterien gemessene Kompetenzniveau von Assistenzärzten erreichen, die ZVK-Anlagen am Patienten durchführen. Der Kompetenzverlust nach einem 6-monatigen übungsfreien Intervall ist gering und mit einer einzigen unangeleiteten Auffrischung reversibel. Aufgrund der hohen Effizienz und Retention sollten solche Trainings komplikationsträchtigen Interventionen wie ZVK-Anlagen am Patienten standardmäßig vorgeschaltet sein.
Summary: Central venous catheterization is a standard invasive procedure in modern anesthesiology, acute medicine and intensive care, but bears a significant potential of severe complications. Bedside teaching of this technique can poorly be justified today due to ethical reasons. Simulator training is an accepted alternative, which unfortunately is not yet fully implemented today. How can the effect of such a training be quantified? Is a single standardized peer teaching simulator training intervention sufficient to raise the competence level of the participants up to an acceptable level for patient treatment?
Methods: The definition of the commonly accepted level of patient treatment was found by measuring first to third year anesthesiology residents with routine real patient central line placement, using a standardized binary 31 item practical test for a central line placement at a simulator. The test items covered main competency groups of this procedure which were technical, hygienic and patient safety aspects. As intervention group, 5th year medical students underwent a single standardized peer tought 50-minute training of central line placement at the Fleximodel ™ thorax simulator. Beside objective testing, also self estimation of the participants before and after the training as well as of the residents were recorded. After 6 months, the test was repeated in the intervention group in order to measure competency retention without further practice.
Results: The intervention group of 23 residents showed quite uniform test results despite different patient experience from 1st to 3rd year of residency and scored 84.9 ± 8.1 % of the test, while the 32 students after the training scored 81.8 ± 8.6 % (n.s.). After 6 months without practice, the students after the training still scored 69.6 ± 10.1 % (s.). A single unguided refresher training during these 6 months led to student scores of 84.5 ± 9.8 % (n.s. compared to reference group). The analysis of subgroups technical performance, hygiene and patient safety led to similar results and did not reveal relevant group differences. The correlation between self-estimation regarding theoretical knowledge and practical abilities for central line placement with test measured competency levels was least in the student group.
Conclusion: A single standardized simulator peer teaching of central line placement can be sufficient to raise the competency level of last year medical students up to accepted anesthesiology residents level with routine central line experience from patient treatment. The loss of competency after 6 months without practice is low and can be compensated with a single simulator practice training without another teaching intervention. Due to high efficiency and competency retention such trainings should be common standard before exposing patients to treatments bearing severe potential of complications like central line placement.

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Ausgabe 3 / 2018
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